Nachhaltigkeitsberichterstattung in der Schweiz: Erkenntnisse aus dem SM

Forvis Mazars in der Schweiz hat die Nachhaltigkeitsberichte der 20 im Swiss Market Index (SMI) kotierten Unternehmen analysiert, um die aktuelle Berichtspraxis und deren Reifegrad zu untersuchen. Die Analyse umfasst die angewandten Berichtsrahmenwerke, Wesentlichkeitsanalysen sowie Umwelt- und Sozialangaben und vergleicht dabei Finanz- und Nicht-Finanzunternehmen. Die Ergebnisse, zeigen wo einige der grössten börsenkotierten Unternehmen der Schweiz heute stehen und in welchen Bereichen sich die Berichtspraxis weiterhin unterscheidet.

Wichtige Erkenntnisse zur Nachhaltigkeitsberichterstattung in der Schweiz

  • Alle SMI-Unternehmen berichten im Rahmen der schweizerischen Vorgaben zur Nachhaltigkeitsberichterstattung, während 95% zusätzlich auf mindestens ein weiteres internationales Berichtsrahmenwerk wie die Global Reporting Initiative (GRI) oder die European Sustainability Reporting Standards (ESRS) - Bezug nehmen oder anwenden.
  • Alle SMI-Unternehmen lassen Nachhaltigkeitsinformationen extern prüfen, bei den meisten beschränkt sich der Prüfungsumfang jedoch auf ausgewählte Nachhaltigkeitskennzahlen.
  • Die Klimaberichterstattung ist der am weitesten entwickelte Bereich: Angaben zu Treibhausgasemissionen, Emissionsreduktionszielen, Klimaschutzverpflichtungen und Transitionsplänen sind weit verbreitet.
  • Biodiversitätskennzahlen (25%) und Angaben zum geschlechtsspezifischen Lohngefälle (30%) werden deutlich seltener offengelegt als klimabezogene Informationen.
  • Nachhaltigkeitsziele fliessen zunehmend in die Vergütung ein: 80% der SMI-Unternehmen verknüpfen Nachhaltigkeitsziele mit der Vergütung der Geschäftsleitung.

Die gesetzlichen Anforderungen an die Nachhaltigkeitsberichterstattung in der Schweiz ergeben sich aus Artikel 964a-c des Schweizerischen Obligationenrechts. Unternehmen im Anwendungsbereich müssen unter anderem über Umwelt-, Sozial- und Arbeitnehmerbelange, Menschenrechte sowie Bekämpfung von Korruption berichten und dabei Konzepte, Massnahmen, Risiken und wesentliche Leistungsindikatoren offenlegen. Die Anforderungen an die Berichterstattung über Klimabelange werden durch die entsprechende Verordnung konkretisiert, die sich an den Empfehlungen der Task Force on Climate-related Financial Disclosures (TCFD) orientiert. Die Verordnung enthält zudem Anforderungen an Klimatransitionspläne sowie an die Veröffentlichung klimabezogener Informationen sowohl in einem menschenlesbaren als auch in einem maschinenlesbaren elektronischen Format.

  • 80Verknüpfung von Nachhaltigkeitszielen mit der Vergütung der Geschäftsführung
  • 30Offenlegung von Angaben zum geschlechtsspezifischen Lohngefälle
  • 25Offenlegung von Biodiversitätskennzahlen

Analysierte Bereiche der Nachhaltigkeitsberichterstattung

Die Analyse betrachtet vier zentrale Bereiche der Nachhaltigkeitsberichterstattung der 20 untersuchten SMI-Unternehmen:

  • Bereitschaft zur Nachhaltigkeitsberichterstattung. Welche schweizerischen und internationalen Berichtsrahmenwerke die SMI-Unternehmen heranziehen oder anwenden, wie sie verschiede Standards kombinieren und in welchem Umfang sich die Prüfungspraktiken entwickelt haben.
  • Wesentlichkeitsanalyse. Klimawandel und Geschäftsverhalten werden von allen Unternehmen als wesentlich eingestuft, während Themen wie Wasser, Biodiversität sowie Ressourcennutzung und Kreislaufwirtschaft je nach Branche stärker variieren. 60% der SMI-Unternehmen legen wesentliche Auswirkungen offen, 60% wesentliche Risiken und 50% wesentliche Chancen.
  • Umweltbezogene Angaben. Die Klimaberichterstattung dominiert: 80% legen mindestens sechs Scope-3-Emissionskategorien offen und mehr als 75% berichten über physische Risiken und Übergangsrisiken. Nur 25% legen Indikatoren zur Biodiversität offen.
  • Soziale Angaben. Grundlegende Kennzahlen zur Belegschaft werden weitgehend offengelegt, während quantitative und vergleichbare soziale Kennzahlen weniger verbreitet sind. Nur 30% veröffentlichen Angaben zum geschlechtsspezifischen Lohngefälle und 10% die CEO Pay Ratio. Unterschiede werden auch beim Ansatz zur menschenrechtlichen Sorgfaltspflicht entlang der Wertschöpfungskette ersichtlich.

Die Analyse enthält die zugrunde liegenden Daten und – soweit relevant - den Vergleich zwischen Finanz- und Nicht-Finanzunternehmen.

 

Nachhaltigkeitsberichterstattung in der Schweiz: zentrale Erkenntnisse und Herausforderungen

Alle 20 analysierten SMI-Unternehmen berichten im Rahmen der schweizerischen Vorgaben zur Nachhaltigkeitsberichterstattung. Bei der Maturität zeigen sich jedoch deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Themenbereichen. Die Klimaberichterstattung ist am weitesten entwickelt, während Angaben zu sozialen Themen und Biodiversität weniger ausgereift sind. Der Bericht zieht aus diesen Erkenntnissen eine klare Schlussfolgerung: Für Schweizer Unternehmen dürfte für die nächste Entwicklungsstufe weniger die Menge der offengelegten Informationen entscheidend sein als deren Qualität, Konsistenz, Verknüpfung, Nachvollziehbarkeit und Zuverlässigkeit.
Nachhaltigkeitsinformationen externen prüfen lassen
100%
Mindestens einen zusätzlichen internationalen Berichtsstandard heranziehen oder anwenden
95%
Massnahmen im Rahmen des Klimatransitionsplans definiert haben
85%
THG-Reduktionsziele basieren auf SBTi oder wurden von SBTi validiert
50%
Angaben zum geschlechtsspezifischen Lohngefälle offenlegen
30%
Biodiversitätskennzahlen offenlegen
25%
Das Vergütungsverhältnis des CEO offenlegen
10%

«Die Nachhaltigkeitsberichterstattung in der Schweiz entwickelt sich zunehmend über die reine Erfüllung regulatorischer Anforderungen hinaus. Stakeholder legen verstärkt Wert darauf, dass Unternehmen messbare Fortschritte bei der Umsetzung ihrer Nachhaltigkeitsziele nachweisen können.»

Carla Reiss
Expertin für Nachhaltigkeitsberichterstattung
Forvis Mazars in der Schweiz
Two professionals reviewing sustainability and business performance data in an office.

Die Zukunft der Nachhaltigkeitsberichterstattung in der Schweiz

Die regulatorischen Rahmenbedinungen entwicklen sich weiter. Im April 2026 eröffnete der Bundesrat die Vernehmlassung zum Bundesgesetz über die nachhaltige Unternehmensführung (NUFG). Der Entwurf könnte die Anforderungen an die Nachhaltigkeitsberichterstattung und deren Prüfung neu ausgestalten. Gleichzeitig beeinflussen Entwicklungen in der EU weiterhin die Erwartungen an Schweizer Unternehmen mit Aktivitäten in Europa.

Unser vollständiger Bericht liefert die umfassende Vergleichsgrundlage für diese Erkenntnisse. Er enthält die detaillierten Ergebnisse für die analysierten Themenbereiche sowie einen Vergleich zwischen Finanzunternehmen und Unternehmen anderer Branchen. Die Studie zeigt auf, welche Informationen einige der grössten börsenkotierten Unternehmen der Schweiz heute offenlegen, wo sich die Berichtspraxis aktuell unterscheidet und in welchen Bereichen künftig erhöhte Anforderungen zu erwarten sind.

Häufig gestellte Fragen zur Nachhaltigkeitsberichterstattung in der Schweiz

Was versteht man unter Nachhaltigkeitsberichterstattung?

Nachhaltigkeitsberichterstattung ist die Offenlegung von Informationen eines Unternehmens zu den Bereichen Umwelt, Soziales und Unternehmensführung (ESG), einschliesslich relevanter Richtlinien, Massnahmen, Kennzahlen und Ziele.

Ist die Nachhaltigkeitsberichterstattung in der Schweiz verpflichtend?

Ja, sofern Unternehmen in den gesetzlichen Anwendungsbereich fallen. Artikel 964a-c OR regeln den Anwendungsbereich sowie die inhaltlichen und Veröffentlichungspflichten der Berichterstattung über nichtfinanzielle Belange. Die Anforderungen an die Klimaberichterstattung werden durch die Verordnung über die Berichterstattung über Klimabelange konkretisiert, die auf den TCFD-Empfehlungen basiert. Alle 20 in unserer Analyse untersuchten SMI-Unternehmen berichten im Rahmen der entsprechenden schweizerischen Vorgaben.

Welche zusätzlichen Berichtsrahmenwerke wenden Schweizer Unternehmen an?

Zusätzlich zu den schweizerischen Vorgaben beziehen sich 75% der SMI-Unternehmen auf GRI oder wenden die GRI-Standards an. 55% beziehen sich auf die ESRS oder wenden diese an und 40% beziehen sich auf die Standards des International Sustainability Standards Board (ISSB) oder wenden diese an.

Gilt die CSRD für Schweizer Unternehmen?

Unter bestimmten Voraussetzungen möglicherweise. Obwohl die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) Teil des EU-Rechts ist, können auch Schweizer Unternehmen und Konzerne – abhängig von ihren Aktivitäten und ihrer Konzernstruktur in der EU – in den Anwendungsbereich fallen. Darüber hinaus können EU-Berichtsanforderungen Schweizer Unternehmen indirekt über EU-Tochtergesellschaften sowie über Erwartungen von Kunden, Investoren und weiteren Geschäftspartnern betreffen. Unsere Analyse zeigt, dass bereits 55% der SMI-Unternehmen auf die ESRS Bezug nehmen oder diese anwenden.

Welche Änderungen zeichnen sich in der Schweizer Nachhaltigkeitsberichterstattung ab?

Im April 2026 eröffnete der Bundesrat die Vernehmlassung zum Entwurf des Bundesgesetzes über nachhaltige Unternehmensführung. Sollte das Gesetz in Kraft treten, würden die schweizerischen Anforderungen an die Nachhaltigkeitsberichterstattung neu ausgestaltet, stärker an relevante internationale Entwicklungen angeglichen und Nachhaltigkeitsberichte im Anwendungsbereich einer obligatorischen externen Prüfung unterstellt.

Das Nachhaltigkeitsteam von Forvis Mazars in der Schweiz begleitet Unternehmen bei dieser Entwicklung – von der Beratung zur Nachhaltigkeitsberichterstattung bis hin zu Prüfung.

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