Tax Transformation & Technology: In vier Schritten zur Steuerfunktion der nächsten Generation
Die Steuerfunktion der nächsten Generation
Eine Steuerfunktion zukunftsfähig aufzustellen, ist dabei mehr als ein reines Technologieprojekt. Sie beginnt bei einem klar definierten Target Operating Model, erstreckt sich über Prozesse, Daten und Systeme und entfaltet ihren Mehrwert dort, wo steuerliche Sicherheit, Effizienz und Transparenz messbar zur Wertschöpfung des Unternehmens beitragen.
Tax Transformation bedeutet deshalb die strategische Neuausrichtung der Steuerfunktion als integrierten Bestandteil der Finanz- und Unternehmensprozesse. Sie verbindet steuerliches Fachwissen mit Prozess-, Daten- und Technologiekompetenz und schafft die Grundlage für datenbasierte Steuerung, Automatisierung sowie den wirksamen Einsatz moderner Technologien wie KI.
Klare Strukturen für eine erfolgreiche Transformation
Unser Tax Transformation & Technology (TTT)-Framework setzt hier an und schafft Orientierung in einem komplexen steuerlichen, organisatorischen und technologischen Umfeld. Es strukturiert die Transformation der Steuerfunktion entlang klarer Entwicklungsstufen und verbindet fachliches, prozessuales und technisches Know-how zu einem abgestimmten Gesamtansatz.
Ausgangspunkt ist die Definition eines steuerlichen Target Operating Models, auf dessen Basis Prozesse und Risiken analysiert, dokumentiert, operationalisiert und automatisiert werden. Ein besonderer Fokus liegt auf der Qualität und Integration steuerlich relevanter Daten, da sie die Grundlage für Automatisierung und den effektiven Einsatz moderner Technologien wie KI bilden. So unterstützt das Framework eine nachhaltige, belastbare und zukunftssichere Steuerfunktion.
Das TTT-Framework – vier Schritte für die digitale Steuerfunktion
1) Konzeption: Um die vielfältigen Aufgaben und Ziele des Unternehmens bzw. der Steuerfunktion umzusetzen, sollte die Aufbauorganisation der Steuerfunktion im Unternehmen optimal strukturiert sein und ein klares Zielbild entwickelt werden. Bei dem Aufbau einer neuen oder der Weiterentwicklung einer existierenden Steuerfunktion sollten mehrere Dimensionen, u. a. organisatorische Strukturen, Ressourceneinsatz und mögliche Digitalisierungspotenziale, berücksichtigt werden. Daraus resultiert unser Tax Operating-Model.
2) Dokumentation: Um die vollständige, zeitgerechte und nachweisbare Erfüllung aller steuerlichen Pflichten sicherzustellen, sind steuerliche Risiken systematisch zu identifizieren, zu bewerten und durch klar definierte, prozessorientierte Kontrollen zu steuern. Auf dieser Basis erfolgt die Entwicklung eines unternehmensspezifischen Tax Compliance Management-Systems, dessen strukturierte Dokumentation Haftungs- und Strafrisiken reduziert, Transparenz und Datenqualität erhöht und die Grundlage für effiziente sowie digitalisierbare Steuerprozesse schafft.
3a) Operationalisierung/Optimierung der Prozesse: Um die steuerlichen Anforderungen wirksam und nachhaltig in den operativen Betrieb zu integrieren, ist es erforderlich, Steuerprozesse konsequent End-to-End zu betrachten. Da steuerliche Sachverhalte in vorgelagerten Finanz‑ und Geschäftsprozessen wie Einkauf, Vertrieb, Rechnungswesen und Reporting entstehen, liegt der Schwerpunkt auf der Definition und Berücksichtigung steuerlicher Anforderungen innerhalb dieser Prozesse. Dadurch werden Abläufe außerhalb der Steuerfunktion gezielt optimiert, Risiken reduziert und Effizienz sowie Prozessqualität im Gesamtsystem erhöht.
3b) Operationalisierung/Automatisierung der Prozesse: Um die steuerlichen und kaufmännischen Prozesse nachhaltig effizient, sicher und skalierbar auszugestalten, ist eine konsequente Automatisierung zentraler Prozessschritte erforderlich. Durch den Einsatz von GRC‑Lösungen werden steuerliche Risiken und Kontrollen systemgestützt überwacht und gesteuert, während optimierte ERP-Systeme inklusive API‑basierter Schnittstellen die Automatisierung entlang der Kern- und Unterstützungsprozesse ermöglichen. Ergänzend werden im Ökosystem der Unternehmen spezialisierte Softwarelösungen sowie KI-basierte Agenten-Teams eingesetzt, die – unterstützt durch RPA – steuerliche Kernprozesse wie Steuerdeklaration, Fristenmanagement und regulatorische Anforderungen (z. B. DAC 6, Pillar 2) weitgehend automatisiert und integriert abwickeln.
4) Datenmanagement: Um die steuerlichen Risiken datengetrieben zu steuern und moderne Technologien wie KI wirksam einzusetzen, ist eine hohe Datenqualität entscheidend. Durch ERP-basierte Massendatenanalysen und strukturierte Prüfroutinen werden verborgene Risiken identifiziert. Eine gründliche Analyse und Strukturierung der Daten- und Systemlandschaft ist dabei unerlässlich, da nur qualitativ hochwertige, integrierte Daten die Basis für Automatisierung und den effizienten Einsatz von KI-Lösungen bilden.
Praxisbeispiel: Automatisierte Umsatzsteuer-Validierung aus ERP-Daten
In vielen Unternehmensgruppen entstehen umsatzsteuerlich relevante Daten in unterschiedlichen ERP-Systemen, Ländern und Buchungskreisen. Abweichende Steuerkennzeichen, uneinheitliche Stammdaten und unterschiedliche Buchungslogiken erschweren eine konsistente Umsatzsteuer‑Compliance. Manuelle Stichproben oder Excel-Auswertungen sind bei diesen Datenvolumen weder effizient noch ausreichend belastbar.
Unser TTT-Framework setzt hier systematisch an: Umsatzsteuerlich relevante Transaktionsdaten aus dem ERP-System werden in ein einheitliches, steuerlich interpretiertes Datenmodell überführt und anschließend automatisiert validiert. Regelbasierte Prüfungen kontrollieren u. a. die Plausibilität von Steuersätzen und Steuerkennzeichen, die Gültigkeit von Umsatzsteuer-ID-Nummern sowie die korrekte Anwendung von Reverse Charge-Mechanismen. Auffälligkeiten werden zeitnah über Workflow-Prozesse an die Fachbereiche zurückgespielt und revisionssicher dokumentiert.
Das Ergebnis ist eine skalierbare, datenbasierte Umsatzsteuer-Compliance mit höherer Qualität, geringeren Risiken und einer belastbaren Grundlage für weitergehende Automatisierung.
Unser TTT-Framework: Steuerexpertise trifft praxisnahe Technologie
Mit der klaren Strukturierung von Organisation, Prozessen, Automatisierung und Daten schafft das TTT-Framework die Voraussetzungen für eine moderne Steuerfunktion. Der volle Nutzen dieser Transformation entsteht jedoch erst, wenn diese Elemente technologisch zusammengeführt und im Tagesgeschäft wirksam eingesetzt werden.
Genau hier setzt unser Digital Tax Portal (DTP) an. Es ist als digitales Steuer-Cockpit konzipiert, über das Steuersoftware, Datenanalysen und KI-basierte Anwendungen zentral gebündelt und gesteuert werden. Das DTP dient als Zugangspunkt für steuerliche Anwendungen und schafft einen einheitlichen Rahmen für Analyse, Validierung, Monitoring und Automatisierung.
Seine Stärke entfaltet das Portal insbesondere in der Kombination mit der bestehenden Technologie- und Datenlandschaft unserer Mandanten. ERP-Systeme, Subsysteme, Reporting-Tools sowie angebundene Datenpools und Data Lakes werden über Schnittstellen integriert und steuerlich nutzbar gemacht. So fungiert das DTP als steuerlicher Integrations- und Orchestrierungs-Layer, der durchgängige Daten- und Prozessflüsse ermöglicht und die Grundlage für skalierbare Automatisierung und den gezielten Einsatz von KI schafft.
Fazit: Was bedeutet das für die Praxis?
- Schnell starten – den eigenen Reifegrad kennen
Der Einstieg in die Tax Transformation muss kein Großprojekt sein. Die grafische Darstellung des TTT-Frameworks und die beschriebenen Inhalte eignen sich als pragmatisches Hilfsmittel, um den eigenen Reifegrad der Steuerfunktion realistisch einzuordnen. Wer weiß, wo er steht, erkennt auch, wo anzusetzen ist. - Schwerpunkte setzen, statt alles gleichzeitig zu tun
Auf Basis dieser Erkenntnisse lassen sich die relevanten Handlungsfelder priorisieren. Nicht jede Steuerfunktion benötigt sofort Automatisierung oder KI – wohl aber Klarheit darüber, wo Risiken entstehen und Effizienzpotenziale liegen.
Oft sind die Schwachstellen bereits bekannt: Nachmeldungen, korrigierte Steuererklärungen, Bußgelder, Strafzahlungen oder wiederkehrende Feststellungen in Betriebsprüfungen sind klare Indikatoren dafür, dass Prozesse, Datenflüsse und eingesetzte Technologien überprüft werden müssen. - Nachhaltig umsetzen – mit Struktur und Technologie
Wer strukturiert vorgeht und Organisation, Prozesse, Daten und Technologie zusammendenkt, schafft die Grundlage für eine belastbare, zukunftssichere Steuerfunktion mit messbarem Mehrwert.
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