Künstliche Intelligenz im Gesundheitswesen – Change Management als Schlüssel zur Mitarbeiterakzeptanz

Künstliche Intelligenz als Hoffnungsträger für eine bessere Gesundheitsversorgung in Kliniken und Medizinischen Versorgungszentren

Nicht erst seit der Pandemie steht das Gesundheitswesen unter einem enormen Druck. In Zeiten von Fachkräftemangel und fehlender Versorgungskapazität liegt eine große Hoffnung auf der fortschreitenden Digitalisierung. Als konsequente nächste Stufe hiervon verspricht Künstliche Intelligenz (KI), einer DER technologischen Megatrends, hohe Versorgungsqualität mit gleichzeitiger Wirtschaftlichkeit zu verknüpfen und somit nicht weniger als eine bessere Gesundheitsversorgung zu ermöglichen.

Schon heute wird die Technologie beispielsweise zur Diagnostik, zum Monitoring von Patienten oder bei modernen Assistenzsystemen eingesetzt. Die Vorteile sind groß: Im Gegensatz zur menschlichen Intelligenz wird die künstliche nie müde, arbeitet informations- statt emotionsbasiert und kann in kürzester Zeit auf riesige Datenmengen zurückgreifen.

Doch trotz der breiten Anerkennung der vielversprechenden Potenziale Künstlicher Intelligenz, geht die Einführung in Deutschland nur schleppend voran. Wie lässt sich dies erklären?

Mitarbeiterakzeptanz als Herausforderung

Unabhängig vom konkreten Anwendungsfall ist die Künstliche Intelligenz ein sehr neues Forschungsfeld, für welches Standards und Erfahrungen fehlen. So ist eine weitere Weichenstellung im rechtlichen (siehe Newsletter 3/2021) und auch technischen Rahmen dringend notwendig.

Doch neben rechtlichen und technischen Faktoren darf auch der menschliche Faktor nicht vergessen werden: Die Akzeptanz der Technologie bei Ärzten, Therapeuten und Pflegekräften im eigenen Haus und in der Folge auch beim Patienten ist eine der größten Herausforderungen bei der Einführung Künstlicher Intelligenz.

Sorge um den eigenen Arbeitsplatz, Berührungsängste mit neuer Technologie und kurzfristig erhöhter Aufwand in der Implementierungszeit führen bei medizinischem Personal oft zu Skepsis und Interessenskonflikten zwischen den Stakeholdern. Während beispielsweise das Krankenhausmanagement auf Effizienzsteigerung hofft und die Implementierung deshalb treibt, sieht das Pflegepersonal zunächst den erhöhten Aufwand und Weiterbildungsbedarfe. Bei den Ärzten spaltet sich das Bild: Häufig sind es gerade die Entscheidungsträger, wie zum Beispiel Chefärzte, die den klassischen Weg vertreten und kein Interesse an einer Disruption des aktuellen Systems haben. Im Gegensatz dazu sind oft die jüngeren Ärzte die Know-how-Träger, die statt Sorge um die Kannibalisierung der eigenen Skills eher Interesse an neuer Technik haben und hierin Potenzial für die eigene Weiterentwicklung sehen.

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Ohne Frage: Technologische Entwicklungen wie diese können bestehende Machtverhältnisse aufmischen und die Bedeutung anerkannter Expertise verändern.

Hinzu kommt, dass Mitarbeiterakzeptanz nicht nur eine direkte Rolle für den effizienten Einsatz Künstlicher Intelligenz durch die Mitarbeiter selbst spielt, sondern auch den indirekten Effekt der Beeinflussung von Patienten hat: Wer beispielsweise als Arzt oder Pflegepersonal selbst nicht überzeugt ist, verunsichert auch seine Patienten und trägt so zum Misstrauen gegenüber der Technologie bei. Um eine effektive Nutzung Künstlicher Intelligenz zu ermöglichen, ist es folglich essenziell, bei der eigenen Belegschaft anzusetzen.

Change Management als zentraler Erfolgsfaktor

Der Schlüssel zum Erfolg ist die rechtzeitige und durchdachte Einbindung von Change Management. Durch Change Management werden die vom Fortschritt betroffenen Mitarbeiter identifiziert, die Auswirkung auf ihre Verantwortungs- und Aufgabenbereiche transparent gemacht, Sorgen und Widerstände antizipiert und durch geeignete Maßnahmen in Zustimmung und Proaktivität gewandelt.

Dies bedeutet, dass noch vor der Einführung ein klarer „Case for Change“ – also eine verständliche Argumentation – aufgebaut wird, warum Künstliche Intelligenz eingesetzt werden soll. Beweggründe und Chancen werden klar herausgearbeitet und Vorteile für die unterschiedlichen Zielgruppen herausgestellt. Kernbotschaft muss hierbei unter anderem sein, dass Künstliche Intelligenz die menschliche nicht ersetzt, sondern sinnvoll ergänzt, Facharbeiter entlastet, Entscheidungsunterstützung bietet und eine bessere Versorgung gewährleistet.

In einem zweiten Schritt folgt die Entwicklung einer Change Management-Architektur: Auf Basis einer Stakeholder- und Change-Impact-Analyse wird beleuchtet, wer von der Einführung betroffen ist und welche Veränderungen sich ergeben. An dieser Stelle wird genau analysiert, welche Interessen, welche Machtverhältnisse und welche Beziehungen Einfluss auf die Einstellung zur geplanten Veränderung nehmen und mit welchen Reaktionen der Stakeholder zu rechnen ist. Hieraus wird abgeleitet, welche Maßnahmen benötigt werden, damit alle Beteiligten nach ihren Bedürfnissen informiert, involviert, motiviert und befähigt werden.

Eine zentrale Bedeutung fällt hierbei dem Leadership, oft in der Person des Chefarztes, zu: Dieser muss unbedingt und konsequent für die Veränderung stehen und sie in die gesamte Organisation tragen. Auch der Patient ist als zentraler Stakeholder zu betrachten. Er muss aufgeklärt und informiert sein, um den modernen Behandlungsweg mitzugehen und sogar einzufordern.

Um bestmöglichen Nutzen aus der Einführung Künstlicher Intelligenz zu ziehen, müssen Schulungsbedarfe erkannt und Berührungsängste abgebaut werden. Nur so kann sichergestellt werden, dass die Technologie im Alltag auch wirklich genutzt und das volle Potenzial ausgeschöpft wird.

Letztlich ist es wichtig, neben dem Monitoring des Fortschritts auch dessen Verankerung in der Kultur der Organisation sicherzustellen. Der Wandel im Gesundheitswesen wird sich in Zukunft noch beschleunigen und erfordert von Mitarbeitern eine offene, kooperative Einstellung gegenüber neuen Technologien.

Nur mit dem richtigen Mindset kann Technologie bestmöglich zur Optimierung der Gesundheitsversorgung eingesetzt werden. Change Management leistet somit einen unverzichtbaren Beitrag, um der menschlichen Komponente der Einführung Künstlicher Intelligenz gerecht zu werden.

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Dies ist ein Beitrag aus unserem Health-Care-Newsletter 4-2021. Die gesamte Ausgabe finden Sie hier. Sie können diesen Newsletter auch abonnieren und erhalten die aktuelle Ausgabe direkt zum Erscheinungstermin.