KI und Quantentechnologie: Chancen und Risiken
Die aktuellen Anwendungsfälle von Künstlicher Intelligenz in der Automobilindustrie sind bislang noch vergleichsweise begrenzt. Sie wird heute vor allem zur Unterstützung von Geschäftsprozessen eingesetzt, etwa bei der Softwareentwicklung, der Prüfung von Verträgen oder ähnlichen Aufgaben. Das Potenzial der Technologie reicht jedoch weit darüber hinaus. Ebenso eröffnet das Quantencomputing neue Möglichkeiten für das autonome Fahren, indem es die enorme Anzahl von Variablen verarbeitet, die sich sonst nicht programmieren ließe. Zudem könnten KI und Quantencomputing die vorausschauende Wartung grundlegend verändern, die im Mittelpunkt vieler Diskussionen steht und zu den zentralen Zielen zahlreicher Unternehmen der Branche gehört.
Die europäische Gesetzgebung zu autonomem Fahren, KI-gestützten Entscheidungen und ethischen Fragestellungen befindet sich jedoch weiterhin in der Entwicklung. Fahrer*innen können zwar Anwendungen wie ChatGPT im Fahrzeug nutzen, KI wird derzeit jedoch noch nicht für fahrrelevante Funktionen eingesetzt und gilt noch nicht als ausreichend ausgereift, um die Sicherheit zuverlässig zu gewährleisten. Außerdem bleibt die Frage offen, ob die KI-Systeme selbst Ziel von Cyber-Angriffen werden könnten.
Vor dem Hintergrund jüngster Vorfälle richtet die Branche ihren Blick verständlicherweise derzeit weniger auf die Integration dieser neuen Technologien in Fahrzeuge als auf deren Potenzial, die Geschäftskontinuität zu sichern und Störungen in der Lieferkette zu verhindern.
Dieser Druck spiegelt sich auch in den Prioritäten von Führungskräften und im Lieferkettenmanagement wider: 31 % konzentrieren sich darauf, künftige Vorschriften und Governance-Anforderungen besser zu verstehen.
Mit der Weiterentwicklung dieser Technologien sollte derselbe Cyber-Security-Fokus und dieselbe Investitionsbereitschaft, die heute der Absicherung von Lieferketten gelten, auch auf neue Technologieimplementierungen angewendet werden.
Einheitliche Cyber-Sicherheitskonzepte sind unverzichtbar
Die Automobilindustrie wird zunehmend besser darin, Schwachstellen nach ihrer Identifizierung gezielt zu isolieren und dadurch ihre Widerstandsfähigkeit insgesamt zu stärken. Ältere Systeme werden durch bessere Verschlüsselung und die Installation von Patches auf den neuesten Stand gebracht. Das größte Risiko geht derzeit jedoch weiterhin von der Lieferkette aus – insbesondere vor dem Hintergrund politischer Spannungen sowie steigender regulatorischer Anforderungen.
Abgesehen von neuen Technologien führt die Konvergenz bestehender IT-, OT- und materialbezogener Lieferketten zu einer zunehmenden Komplexität für Unternehmen der Automobilbranche. Autonome Robotik, Produktionsüberwachung in Echtzeit und digitale Automatisierung verknüpfen diese technologischen Anforderungen miteinander und verbinden Zulieferersysteme mit kundenorientierten Plattformen. Diese Integration ermöglicht zwar Effizienzgewinne, bedeutet jedoch auch, dass sich eine Cyber-Sicherheitsverletzung in einem Bereich schnell auf alle drei ausweiten kann.
Im Jahr 2026 sollten Automobilunternehmen diese Herausforderungen nicht mehr als separate Sicherheitsprobleme betrachten. Dies bedeutet, eine einheitliche Transparenz über IT- und OT-Umgebungen hinweg zu schaffen und sicherzustellen, dass die gleichen strengen Maßstäbe, die für den Schutz von Unternehmensnetzwerken gelten, auch auf die Systeme in der Fertigung angewendet werden. Organisationen sollten zudem regelmäßige Cyber-Sicherheitsbewertungen durchführen, und zwar nicht nur in Bezug auf ihre eigenen Abläufe, sondern auch hinsichtlich der Sicherheitsmaßnahmen ihrer kritischen Lieferanten – insbesondere von Tier-2- und Tier-3-Anbietern, denen es möglicherweise an dedizierten Cyber-Securityteams mangelt.
Zu den praktischen Maßnahmen, die Organisationen im Jahr 2026 ergreifen müssen, gehören:
- Etablierung von Reaktionsplänen für Sicherheitsvorfälle, die auch domänenübergreifende Angriffe berücksichtigen.
- Investitionen in die Netzwerksegmentierung, um zu verhindern, dass sich Cyber-Angriffe von einem System auf andere Bereiche des Unternehmens ausbreiten.
- Sicherstellung, dass alle Dienstleister und Zulieferer mit Systemzugriff grundlegende Sicherheitsanforderungen erfüllen.
- Aufnahme von Cyber-Sicherheitsstandards in Service-Level-Agreements (SLAs) und Lieferantenverträge, soweit dies sinnvoll und angemessen ist.