Aktuelle Brennpunkte der Konzernbesteuerung
Aktuelle Brennpunkte der Konzernbesteuerung
Im Jahr 2026 steht die internationale Steuerlandschaft im Zeichen der praktischen Umsetzung tiefgreifender Reformen, die in den Vorjahren angestoßen wurden. Die steuerliche Komplexität für multinational agierende Konzerne hat einen neuen Höchststand erreicht. Die steuerliche Agenda wird u. a. von folgenden Themen geprägt:
Pillar Two: Von der Implementierung zur Betriebsprüfung
Nachdem die globale Mindestbesteuerung (Pillar Two) flächendeckend eingeführt wurde, verlagert sich der Fokus 2026 auf die operative Compliance. Konzerne kämpfen mit der enormen Datenlast, um die effektiven Steuersätze in jeder Jurisdiktion präzise zu berechnen. Erstmalig stehen nun großflächige Betriebsprüfungen an, die sich spezifisch auf die Top-up-Tax beziehen. Die Abstimmung zwischen den nationalen Finanzverwaltungen und die Vermeidung von Doppelbesteuerungen trotz internationaler Standards bleibt eine enorme Herausforderung. Gleichzeitig steht mit dem geplanten Auslaufen des CbCR Safe Harbours (letztmalig anwendbar für 2027) eine Systemumstellung mit erhöhter Komplexität an.
Pillar One und die Zukunft digitaler Steuern
Während Pillar Two etabliert ist, bleibt die Umverteilung der Besteuerungsrechte (Pillar One) auch 2026 ein politisches Spannungsfeld. Da ein umfassendes multilaterales Abkommen weiterhin mühsam verhandelt wird, halten viele Staaten an ihren nationalen Digitalsteuern fest (bspw. Frankreich, Spanien, Italien, Österreich) oder beabsichtigen die Einführung (z. B. Belgien, Tschechien). Unternehmen müssen hier zweigleisig planen: die potenzielle Neuverteilung von Gewinnen an Marktstaaten einerseits und die Einhaltung divergierender nationaler Sondersteuern andererseits.
Green Tax: Ökologische Transformation im Steuerrecht
Die steuerliche Flankierung des „Green Deals“ ist 2026 voll wirksam. Das Grenzausgleichssystem (CBAM) der EU ist aus der Übergangsphase in die volle Anwendung übergegangen, was massive Dokumentationspflichten für die Lieferketten bedeutet. Zudem nutzen Staaten verstärkt steuerliche Lenkungsinstrumente (z. B. Investitionszulagen für grüne Technologien), deren Inanspruchnahme jedoch an komplexe Subventionsregeln und steuerliche Transparenzpflichten geknüpft ist.
Künstliche Intelligenz in der Steuerabteilung
Technologisch markiert 2026 den Durchbruch von KI in der Konzernbesteuerung. KI-Systeme werden nicht mehr nur für die Datenaufbereitung, sondern für das Risikomanagement und die Steuerplanung in Echtzeit genutzt. Gleichzeitig rüsten die Finanzbehörden auf („Tax Administration 3.0“), was zu einer schnelleren Entdeckung von Inkonsistenzen in den weltweit gemeldeten Daten führt.
Transparenz und Public Country-by-Country-Reporting (CbCR)
Die Veröffentlichung von Ertragsteuerinformationen ist nun für viele Konzerne Pflicht. Die Herausforderung besteht nicht nur in der korrekten Veröffentlichung, sondern in der Kommunikation gegenüber der Öffentlichkeit und Investoren, um Reputationsrisiken durch vermeintlich zu niedrige Steuerquoten zu vermeiden.
Umsatzsteuer: Erhöhter Compliance-Aufwand
Im Bereich der Umsatzsteuer rückt die Umsetzung des EU-Maßnahmenpakets ViDA (VAT in the Digital Age) näher, womit erhebliche Auswirkungen auf elektronische Rechnungsstellung (sog. E-Rechnung auf europäischer Ebene), digitale Meldepflichten und Registrierungsanforderungen für digitale Plattformen verbunden sein werden. Unternehmen, die grenzüberschreitend tätig sind, sollten ihre derzeitige Umsatzsteuerkonfiguration überprüfen, Lücken identifizieren und interne Prozesse vorbereiten, um die Einhaltung der Vorschriften sicherzustellen.
Verrechnungspreise: Substanz, DEMPE und Audit‑Praxis
Im Bereich der Verrechnungspreise verschiebt sich der Fokus 2026 weiter von konzeptionellen Fragestellungen hin zur tatsächlichen Durchführung und Verteidigbarkeit in Betriebsprüfungen. Finanzverwaltungen legen verstärkt Wert auf Substanz, Entscheidungsprozesse und Kontrollfunktionen (Stichwort DEMPE). Zudem nehmen konzerninterne Dienstleistungen, Management Fees und konzerninterne Finanzierungen verstärkt Prüfungsrelevanz an. Gleichzeitig gewinnen koordinierte Mehrstaatenprüfungen (Joint Audits) weiter an Bedeutung.
Reorganisationen, Wegzugsbesteuerung und Funktionsverlagerungen
Strategische Reorganisationen, Re‑ und Near‑Shoring‑Maßnahmen sowie geopolitische Entwicklungen führen zu einer erneuten Relevanz der Wegzugsbesteuerung und der Funktionsverlagerungsbesteuerung. Bewertungsfragen, Stundungsmechanismen und die Verzahnung mit Pillar‑Two‑Effekten stellen hierbei wesentliche Risikofelder dar.
Konzernfinanzierung und Zinsschranken
Das anhaltend erhöhte Zinsniveau lenkt den Blick erneut auf die steuerliche Strukturierung der Konzernfinanzierung. Nationale und internationale Zinsschrankenregelungen, Fremdvergleichsanforderungen sowie die Wechselwirkungen mit der globalen Mindestbesteuerung sind 2026 zentrale Prüfungs‑ und Gestaltungsparameter.
Betriebsprüfung 2.0 und Tax Governance
Die steuerliche Betriebsprüfung entwickelt sich zunehmend zu einer datengetriebenen, international vernetzten Prüfung. Die Verknüpfung von CbCR‑Daten, DAC‑Meldungen, Umsatzsteuer‑Informationen und Pillar‑Two‑Reports erhöht die Anforderungen an Konsistenz, Dokumentation und Governance erheblich. Ein belastbarer Audit Trail über alle Steuerarten hinweg wird damit zum entscheidenden Erfolgsfaktor.
Für nähere Informationen zu diesen Themen und deren Auswirkungen auf Ihren Konzern stehen wir Ihnen jederzeit gerne zur Verfügung.
Autoren: Prof. Mathias Birnbaum, Bernd Keller
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