DAX und MDAX im 2. CSRD-Jahr: Viel Reifegewinn – wenig Fokus auf Chancen

Die größten deutschen Konzerne haben für das Geschäftsjahr 2025 in der Nachhaltigkeitsberichterstattung die ESRS bereits zum zweiten Mal als Rahmenwerk genutzt und zum Großteil vollständig angewendet – und das, obwohl sich die Umsetzung der CSRD in deutsches Recht weiter verzögert. Unsere Analyse zeigt, wo sich die Reportings sichtbar weiterentwickelt haben und an welchen Stellen noch Handlungsbedarf besteht.

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Ein interdisziplinäres Team unserer Expert*innen hat bereits im fünften Jahr in Folge die Nachhaltigkeitsberichterstattung der DAX- sowie erstmalig auch MDAX-Unternehmen analysiert. Grundlage waren die Berichte von 77 Unternehmen für das Geschäftsjahr 2025, ausgewertet auf Basis aller bis zum 31. März 2026 veröffentlichten Dokumente. In unsere Untersuchung flossen die Perspektiven unserer Expert*innen aus Beratung, Prüfung und strategischer Steuerung ein.

Im Fokus unserer Analyse standen u. a. folgende Themenfelder:

  • die Prüfungspraxis und das jeweilige Prüfungsniveau,
  • die Verknüpfung von ESG-Kennzahlen mit der Vorstandsvergütung,
  • die Weiterentwicklung der Wesentlichkeitsanalysen sowie
  • die Anwendung der EU-Taxonomie.

Drei zentrale Entwicklungen prägten das zweite CSRD-Jahr

Echte Vergleichbarkeit entsteht: Erstmals liegt eine belastbare einheitliche ESRS-Baseline vor. Unternehmen berichten strukturierter, Kennzahlen werden konsistenter erhoben und geprüft. Das schafft die Grundlage für echte Performancevergleiche – über den Zeitverlauf und Unternehmen hinweg.

Fokussierung ersetzt Umfang: Unternehmen haben 2025 ihre wesentlichen Themen stärker priorisiert und die Anzahl berichteter Inhalte reduziert. Vor allem im DAX zeigt sich eine klare Konsolidierung der Standardlandschaft: Themen wurden intensiver auf Konsistenz geprüft und gezielter ausgewählt, wodurch der Umfang der Berichterstattung insgesamt abgenommen hat. Gleichzeitig entstanden ergänzende Formate wie Factsheets oder themenspezifische Reports.

Chancen weiter unterrepräsentiert: Der Fokus lag im Berichtsjahr 2025 weiterhin stark auf Risiken und negativen Auswirkungen. Chancen hingegen – etwa durch Innovationen, neue Geschäftsmodelle oder resilientere Lieferketten – spielten nur eine geringere Rolle und wurden entsprechend zurückhaltend dargestellt, trotz erkennbarer Transformations- und Wettbewerbspotenziale in einzelnen Branchen

Wo die Praxis bereits überzeugt

Nur sechs von 77 Unternehmen haben ihren Nachhaltigkeitsbericht 2025 nicht prüfen lassen. In der Praxis zeigt sich darüber hinaus eine zunehmende Differenzierung beim Prüfungsniveau: Ein Teil der Unternehmen kombiniert eine Prüfung auf Berichtsebene mit begrenzter Sicherheit mit einer hinreichenden Sicherheit für ausgewählte Kennzahlen – insbesondere in industriegeprägten Sektoren.

Nachhaltigkeitsaspekte sind zugleich fest in der Unternehmenssteuerung angekommen. Alle DAX-Unternehmen verknüpften entsprechende Ziele mit der kurz- und/oder langfristigen Vorstandsvergütung, und auch im MDAX machte der Großteil entsprechende Angaben. Dabei wurden vor allem solche Kennzahlen berücksichtigt, die einer Prüfung mit hinreichender Sicherheit unterliegen – etwa zur Emissionsreduktion oder zu sozialen Faktoren wie Unfallhäufigkeit und Mitarbeiterengagement. Parallel dazu haben sich Klimaziele als zentrales Steuerungsinstrument etabliert, und die Science Based Targets initiative (SBTi) dient vielfach als Referenz für die externe Validierung.

Wo noch Entwicklungspotenzial besteht

Die Berichterstattung fokussierte sich auch 2025 weiterhin stark auf Risiken und negative Auswirkungen. Chancen wurden demgegenüber meist nur in begrenztem Umfang als wesentlich angesehen. Ähnlich beim Thema „Biologische Vielfalt und Ökosysteme“: Nur ein Teil der Unternehmen stufte es als wesentlich ein, und selbst dann erfolgte die Berichterstattung häufig ohne belastbare Kennzahlen.

Zudem verzichteten einige der Unternehmen weiterhin auf die Offenlegung von Übergangsplänen oder nutzten bestehende Auslassungsoptionen. Damit fehlte häufig die klare Verbindung zwischen Zielsetzung und konkreter Umsetzung – etwa in Form nachvollziehbarer Maßnahmen, Zeitpfade oder Investitionslogiken. Klimastrategien waren somit im vergangenen Berichtszeitraum zwar breit etabliert, wurden jedoch noch nicht durchgängig vollständig operationalisiert.

EU-Taxonomie: Entwicklung weiter sektorabhängig

Mit der Omnibus-Verordnung (EU) 2026/73 hat die EU die Taxonomie-Berichterstattung gezielt verschlankt. Unternehmen können für unwesentliche Wirtschaftsaktivitäten (unter 10 % von Umsatz, Investitions- oder Betriebsausgaben) auf eine detaillierte Prüfung verzichten; zudem dürfen Betriebsausgaben vollständig ausgeblendet werden, wenn sie für das Geschäftsmodell nicht wesentlich sind.

Bereits für das Berichtsjahr 2025 nutzten viele Unternehmen diese Erleichterungen: Rund zwei Drittel der DAX-Unternehmen veröffentlichten ihre KPIs auf Basis der neuen Vorgaben und machten umfangreich von Wesentlichkeitsschwellen Gebrauch. Gleichzeitig blieb die Aussagekraft der Kennzahlen stark abhängig vom jeweiligen Sektor. Während sich die Quoten insgesamt nur leicht veränderten, zeigten sich Fortschritte vor allem in der Energiebranche, etwa bei der Dekarbonisierung.

Unser Fazit

Die Umsetzung der CSRD und der ESRS im DAX und MDAX hat die Phase der Erstimplementierung verlassen: Die Berichterstattung ist fokussierter und konsistenter geworden sowie zunehmend mit Steuerungs- und Vergütungsmechanismen verknüpft.

ESRS‑Kennzahlen machen zentrale ESG‑Dimensionen transparent, während die EU‑Taxonomie Geschäftsaktivitäten entlang ihres Transformationsbeitrags einordnet.

Für die kommenden Jahre liegt der zentrale Entwicklungsschritt nun in der strategischen Nutzung der Berichterstattung: Wesentliche Themen müssen stärker in Entscheidungs- und Steuerungsprozesse integriert werden. Insbesondere die bislang schwach ausgeprägte Chancenperspektive bietet das Potenzial, Nachhaltigkeit über eine Risiko- und Compliance‑Logik hinaus als Werttreiber zu positionieren.

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Alle Analyse-Ergebnisse lesen Sie in unserem Report „DAX und MDAX im 2. CSRD-Jahr: Viel Reifegewinn – wenig Fokus auf Chancen“.

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